"Alle drei Sekunden stirbt ein Kind, weil lebensrettende Helfer und Medikamente fehlen. Das sind am Tag rund 30.000 Kinder- gestern, heute, morgen. Sie sterben an Durchfall, weil sie und ihre Eltern keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Oder sie sterben an bei uns längst vergessenen Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten, Tetanus oder Diphterie, weil sie nicht geimpft sind. In Flüchtlingslagern in Somalia habe ich vor zwanzig Jahren erleben können, wie ein Arzt häufig schon mit bescheidenen Mitteln helfen und sogar lebensrettend tätig sein kann. Damals war ich als Koordinator des Komitees Cap Anamur im Einsatz.
Angesichts des Massenelends in der Dritten Welt beschloß ich 1983, eine Hilfsorganisation mit deutschen Ärzten aufzubauen. Die Idee dabei war, bereits Einsätze von einer Mindestdauer von anderthalb Monaten zu akzeptieren. So können Ärzte ihren Jahresurlaub nutzen, um in Notstands- und Armutsgebieten der Dritten Welt Hilfe zu leisten, ohne gleich zu "Aussteigern" werden zu müssen. Bedingung ist allerdings, daß sie unentgeltlich arbeiten und mindestens die Hälfte ihrer Flugkosten in das jeweilige Projektland selbst bezahlen. Spesen oder Aufwandsentschädigungen gibt es nicht. Mittlerweile unterhalten wir neun medizinische Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern der Dritten Welt: in Indien, Bangladesh, Nicaragua, Kenia und auf den Philippinen.
Trotz der "harten" Kriterien für einen medizinischen Hilfseinsatz haben wir immer bereitwillige Helfer gefunden:Als die gerade pensionierte Kinderärztin, Dr. Dorothea Woiczechowski, aus Tirschenreuth am 4. März diesen Jahres zu ihrem vierten unentgeltlichen Hilfseinsatz nach Nairobi flog, war das gleichzeitig der 3.500. Einsatz, der seit Bestehen unserer ärztlichen Hilfsorganisation von einem deutschen Arzt in einem medizinischen Notstandsgebiet der Dritten Welt durchgeführt wurde.
Bei einem Großteil der Ärzte bleibt es nicht bei einem Mal: Jeder dritte der mitarbeitenden Ärztinnen und Ärzte war bereits mehrfach in einem solchen Einsatz. Durch dieses Engagement können wir ständig mehrere Ärztinnen und Ärzte innerhalb fester Langzeitprojekte in die überbevölkerten Slums von Millionenstädten in der Dritten Welt schicken. Sie arbeiten vor Ort grundsätzlich mit einheimischen Schwestern und einheimischen Helfern. Die einheimischen Mitarbeiter sind für uns unverzichtbare Brücken und sprachliche Übersetzer, die uns das Verstehen und das Einfühlen in die fremde Kultur und die anderen sozialen Verhältnisse erleichtern.
Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen: Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind 37 Ärztinnen und Ärzte irgendwo unentgeltlich für die Menschen, die sich nicht selber helfen können, für Menschen im Elend, tätig. Sie schenken ihr ärztliches Können und menschliche Hoffnung."
Dr. Bernhard Ehlen wurde am 5. März 1939 in Berlin geboren. 1958 Eintritt in den Jesuitenorden. Er studierte Philosophie, Theologie und Pädagogik. 1968 wurde er zum Priester geweiht. Nach 13jähriger katholischer Jugendarbeit gründete er 1983 das Hilfskomitee "Ärzte für die Dritte Welt". Seit nunmehr 20 Jahren ist er unentgeltlich als Geschäftsführer der "Option für die Armen" tätig. www.aerzte-dritte-welt.de
"Bei meiner Ankunft in Kolkata hatte ich den schon häufig beschriebenen "Kulturschock". Die Realität war weitaus schlimmer als alles, was ich mir vorgestellt hatte. Soviel Armut, Schmutz und Elend hatte ich noch nicht gesehen. Die latente Anwesenheit von Hunger, Krankheit und Tod in Howrah hat mich sehr mitgenommen. Man kann sich dem nicht entziehen, zumal wir als Zeichen der Solidarität mit den Menschen auf engstem Raum im Slum leben.
Viele der vorherrschenden Krankheiten wären vermeidbar, wenn die Menschen besser über Hygiene, Ernährung und Gesundheitsvorsorge informiert wären. Neben der medizinischen Hilfe ist deshalb präventive Arbeit wichtig. Die sozialen Verhältnisse können wir allerdings nicht ändern. Ich habe ein zehn Monate altes Zwillingspaar erlebt. Der Junge wohlgenährt, das Mädchen dem Hungertod nahe. Es starb zwei Tage später. Die Mutter hatte nicht genug Milch für beide. Aber zwischen allem Elend und Leiden in den Slumgebieten Kolkatas habe ich Erfolg für den Einzelnen, Freude und Dankbarkeit erlebt."
Dr. Monika Klass, 39, Hamburg
Dr. Gunter Meyer verschafft sich einen Überblick über die Patienten, die vor einer Ambulanz in Shibpur, Kolkata, auf Behandlung warten. Nur ein Stempel auf dem Handgelenk berechtigt zum Arztbesuch
Kinderarzt Dr. Meyer untersucht einen jungen Patienten, der eine Herzoperation hatte, Shibpur, Kolkata
Eine Patientin wartet auf die Ausgabe von Medikamenten, Shibpur, Kolkata
Die Ambulanz im Stadtteil Shibpur in Kolkata liegt direkt an der Bahnlinie
Slums an der Bahnlinie in direkter Nachbarschaft zur Ambulanz, Shibpur, Kolkata
In Ermangelung einer Alternative wird ein verschmutzter Tümpel als Waschgelegenheit genutzt
Ausgeschlachtete Rikshaw nahe der Ambulanz in Shibpur, Kolkata
Warteschlange vor der Ambulanz, Shibpur, Kolkata
Eine Muslimin wartet auf Behandlung, Shibpur, Kolkata
Dr. Gunter Meyer nach einem Tag in der Ambulanz in Shibpur, Kolkata
Häuser und Slumsiedlungen nahe der Ambulanz in Shibpur, Kolkata
Unter der Howrah-Brigde, Kolkata
Rikshaw-Fahrer, unter der Howrah-Bridge, Kolkata
Auf dem Weg zu einem Hausbesuch, Shibpur, Kolkata
Dr. Meyer betrachtet das Röntgenbild eines Tuberkulose-Patienten, Shibpur, Kolkata
Hausbesuch in den Häuserschluchten von Shibpur, Kolkata
Heimarbeit, Shibpur, Kolkata
Während eines Hausbesuchs, Shibpur, Kolkata
Junge Frau, die an Tuberkulose erkrankt ist, Shibpur, Kolkata
Slum, Shibpur, Kolkata
Hinterhof, Shibpur, Kolkata
Verabschiedung nach einem Hausbesuch, Shibpur, Kolkata
Dr. Gunter Meyer während eines Hausbesuchs, Shibpur, Kolkata
Abwasserkanal, Shibpur, Kolkata
Hausbesuch, Shibpur, Kolkata
Impfung in einem Dorf nahe Kolkata
Schluck-Impfung, nahe Kolkata
Warten auf eine von den Ärzten für die Dritte Welt initiierte Impfung in einem Dorf nahe Kolkata
Warten auf eine von den Ärzten für die Dritte Welt initiierte Impfung, Kolkata
Unterernährter Säugling auf der Päppelstation, Ambulanz der Ärzte für die Dritte Welt, Shibpur, Kolkata
Querschnittsgelähmte Tuberkulose-Patientin im St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata
Der Arzt Dr. Tobias Vogt erkärt die Computer-Tomographie einer Tuberkulose-Patientin im St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata
Röntgenaufnahme einer an Tuberkulose erkrankten Frau nach einer stabilisierenden Operation, St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata
Mitarbeiter des St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata
Tuberkulose-Patientin im St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata
Tuberkulose-Patientin im St. Thomas-Home, Shibpur, Kolkata